Fasnetskunst Schramberg

Die Kunst Teil 1

Die frühen Jahre

Wichtiger Hinweis: Dieser Text wird laufend überarbeitet, wiederkommen lohnt sich also ;o)

Villinger Narro um 1900
Maler: unbekannt
Foto: Andreas Helm
Besitzer: Anonym

Hase Schramberger Hansel
Maler: Josef Fix Senior
Entstehung: Ende 1920er Jahre
Foto: Andreas Helm
Besitzer: NZ Schramberg e.V.

Die Fasnacht in Schramberg reicht weit zurück. Erste Narrenkleider sah man jedoch erst um 1912 auf den Straßen. Zwar gibt es Belege, dass vereinzelt Narrenkleider um 1858 auf den Straßen von Schramberg gesehen wurden, diese aber eher von einmaliger Natur waren.
Ein bildlicher Beleg in Form einer Postkarte von Josef Porer (1886-1978) aus dem Jahre 1912 zeigt das Gasthaus “Schützen”, auf dessen Treppe sich Villinger Narros postieren. Dieses Bild könnte man als wahren “Startschuss” der Schramberger Straßenfasnacht sehen.

Der Villinger Narro wurde um 1912 durch Kostümverleih Geschäfte an Schramberger Bürger ausgeliehen. Schramberger Maler waren nicht an der Herstellung eines Villinger Narro beteiligt, welche ausschließlich aus dem 30 Km entfernten Villingen importiert wurden. Einzig eine Larve von Cajetan Schaub (1864-1943 Schramberg) zeigt klare Villinger Gesichtszüge.
Heute vermutet man, dass edle Kleider unter diesen Leihkleidern gewesen sein könnten.
Namen wie Dominikus Ackermann (1759-1835) auch “Ölmüller” genannt oder Albert Fischer (1874-1952) schallen schnell beim Betrachten der Bilder durch den Raum. Über den Verbleib der damaligen Kleider kann in Schramberg aktuell leider keine Auskunft gegeben werden.

Ich hatte das Glück, eines dieser seltenen und wohl letzten Kleider zu fotografieren.

In den 1920er Jahre wurde der Wunsch nach einem eigenen Häs in Schramberg größer und es entstand durch Cajetan Schaub der “Schramberger Original- Hansel”. Villinger Narros wurden im späteren Verlauf von der Narrenzunft Schramberg untersagt.

Malermeister Josef Fix  (1878-1941) und Josef Ginter (1898-1977) waren die Pioniere um die Malerarbeiten des Schramberger Hansel. Mit Josef Fix begann zudem eine Dynastie, die bis heute anhält. Die sogenannte “Fix-Dynastie” wird aktuell von Fritz Erlach (Ehemann der Fix Ur-Enkelin) weitergeführt.

Zur damaligen Technik kann gesagt werden, dass der “Schramberger Original-Hansel” auf groben Leinen gemalt wurde. Feineres Leinen war zu diesem Zeitpunkt kaum verfügbar oder nur schwer zu bekommen. Der Kunststil um 1925 könnte man eher als “grob” bezeichnen, was auf die offenmaschige Stoffe zurückzuführen ist. Neben dem Häsmalen, wurden auch die Schramberger Larven bemalt. Das Fassen* der Larven / Masken ist eine weitere Kunstart und wird bei den verschiedenen Themen der Webseite immer mal wieder in Erscheinung treten.

* Bemalen der Larven

Villinger Gesichtszüge um 1918
Schnitzer: Cajetan Schaub
Maler: Cajetan Schaub (vermutlich)
Foto: Andreas Helm
Besitzer: NZ Schramberg e.V.

Hanselmaske 1920er Jahre
Maler: Fix sen. (mehrmals restauriert)
Foto: Andreas Helm

Die wilden Jahre

Eine Theorie von Andreas Helm

Wilde Malerei ?
Maler: unbekannt
Entstehung: 1938
Foto: Andreas Helm

So könnte man die Zeit zwischen der Erfindung des Schramberger Hansel (1925) und der ersten Prüfung eines Narrenkleides (Hanselschlag) im Jahre 1950 sehen. Während man sich bei der Motivwahl des Hansel noch an Villingen und der heimischen Industrie orientiert hat, war die Ausführung der Kunst teilweise mehr als unverständlich und vor allem unterschiedlich.

Bei der Begutachtung mancher Kleider aus diesem Zeitraum entsteht zudem der Eindruck, dass bestimmte Arbeiten von ungelernten Personen ausgeführt wurden. Diese Theorie wäre zwar untypisch, jedoch nicht völlig abwegig. Der Preis eines Hansel um 1935 übertraf so manches Einkommen um ein vielfaches. Ein Hansel kostete damals rund 200 Mark und war für die Mehrheit der Schramberger Bürger in weiter Ferne.

Gerade im Zeitraum der “wilden Jahre” fallen einige außergewöhnliche Mängel auf wie,

  • falsche Proportionen von Köpfen und Gesichter,
  • extreme Pinselführung,
  • extreme Freihandarbeit ohne Maßeinhaltung,
  • usw.

Wilde Malerei ?
Maler: unbekannt
Entstehung: 1938
Foto: Andreas Helm

Der Hanselschlag und seine Folgen

Eine Theorie von Andreas Helm

Mit der Einführung des Hanselschlag im Jahre 1950 gehörte auch die Zeit der wilden Malerei der Vergangenheit an. Die Narrenzunft übergab den Künstlern klare Anweisungen, wie ein Narrenkleid auszusehen hat.
Es wurden die Künstler überprüft und so manches Streitgespräch zwischen Häsmaler und Narrenzunft entstand beim Hanselschlag. Die Streitgespräche waren aber oft nicht von langer Dauer und schnell aus der Welt geschafft.

Rückblickend kann man sagen, dass der Hanselschlag eine echte Bereicherung war. Narrenkleider wurden wieder mit mehr Begeisterung hergestellt und die Qualität der Häsmalerei stieg stetig an. Im Übrigen gehört die Narrenzunft Schramberg e.V. mit zu den ersten namhaften Zünften, die ein Prüfungsgericht eingeführt hatten.
Der Hanselschlag kann als Abschlussprüfung zwischen Häsmaler (oder anderen Künstlern) und der Zunft gesehen werden. Auch wird der Träger des Narrenkleides in die Hanselgilde aufgenommen.
Eine runde Sache für alle Seiten !

Hanselschlag 1959
Gerd Pflumm als kleiner Hansel
Foto: Zur Verfügung Gerd Pflumm

Goldene Zeiten

Wenn ein Häsmaler bis zu 8 Narrenkleider pro Saison bearbeitet, kann man bestimmt von einer goldenen Zeit sprechen. Die Frage, die man stellen sollte wäre also folgende:

  • Wann war diese Zeit ?

Und genau diese Frage kann bis heute nicht abschließend beantwortet werden. Wie in jedem Gewerbe haben auch die Häsmaler schwankende Auftragszahlen. Weiter muss erwähnt werden, dass in der Vergangenheit die Regel bestand nach Weihnachten zu malen. Dies ist heute nicht mehr der Fall, da ganzjährig gemalt wird.

Ausdruckstarkes Bild einer Häsmaler Werkstatt

Werkstatt Josef Fix, Schramberg
Foto: Fam. Fix / Erlach

 

Das Einkommen der Bürger spielte schon immer eine entscheidende Rolle. War die Quote der Arbeitslosigkeit hoch, wurden  weniger Weißnarren in Auftrag gegeben. Auch die zahlreichen Neugründungen von Hexengruppen um 1980 dürfen nicht unerwähnt bleiben. Heute sind die Hexengruppen fester Bestandteil der Schramberger Fasnet und nicht mehr wegzudenken. Der demografische Wandel hat zusätzlich für schwankende Auftragszahlen gesorgt.

Abschließend kann hier also gesagt werden, dass es auch in der Vergangenheit starke schwankende Auftragszahlen gegeben hat. Aktuell befinden wir uns in einem mittleren Bereich mit leichtem Abwärtstrend.
Das sogenannte “Gasthaussterben” hat auch Schramberg getroffen. Die Schramberger Fasnet verliert einer ihrer wichtigsten Bezugspunkte für den Zusammenhalt der Bevölkerung während der Fasnetszeit. Mit weiteren gesellschaftlichen Faktoren könnte dies zum Rückgang der Fasnet führen und somit auch zum Rückgang der verbundenen Kunst wie Häsmaler und Holzbildhauer.

Ob es wieder zu einer “goldenen Zeit” kommt, entscheiden auch Sie liebe Leser. Nehmen Sie unabhängig Ihrer nationaler oder internationaler Herkunft an der Schramberger Fasnet teil. Dies stärkt nicht nur unsere Fasnet, sondern auch deren Handwerker, die Monat für Monat ihr Bestes geben.

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